Der Tourenskischuh Zero G Tour Pro von Tecnica im Test (2024)

Von Daniel-Juraj Zidaric

4 Minuten Lesezeit

Reinstes, kompromissloses Abfahrtsvergnügen nach dem Aufstieg - das verspricht der Tourenskischuh Zero G Tour Pro von Tecnica. Die Bergzeit Redaktion hat den Schuh gerade im Langzeit-Test. Eine erste Meinung hat sich Skitouren-Experte und Bergzeit Autor Danny gebildet.

Die Eckdaten des Tecnica Zero G Tour Pro und die Aussagen des Herstellers, dass der Skischuh weder beim Aufstieg noch bei der Abfahrt Schwächen zeigt, hat mich am Anfang dieser Skisaison überzeugt und ich habe mir die Schuhe als neue Allrounder zugelegt.

Der Skischuh soll genau die Mitte zwischen leichten Tourenskischuhen und abfahrtsorientierten Freerideskischuhen füllen. Naturgemäß fällt dann schnell auf, dass der Zero G Pro Tour für einen Vierschnaller richtig leicht ist und auch sonst noch ein paar Besonderheiten bei der Konstruktion hat.

Konstruktion, Innenschuh und Passform

Der Verschlussmechanismus erinnert an den Scarpa Maestrale, allerdings hat er zwei Kontaktpunkte an der Schale, was die Stabilität deutlich verbessert. Schnallen und Verschlussmechanismus sind einfach und komfortabel zu bedienen und ich hatte zu keinem Zeitpunkt Probleme mit vereisten Teilen.

Gleiches gilt für den Powerstrap, den ich allerdings nach ein paar Testtouren durch einen Sidas Booster Strap ersetzt habe. Das heißt nicht, dass der Standard Tecnica Powerstrap schlecht ist, der dynamische Flex des Boosterstraps ist mir einfach lieber.

Der Zero G passt mir von Anfang an sehr gut mit seinem eher schmalen Leisten und breiterer Ferse. Das ist natürlich sehr subjektiv, jeder Fuß ist anders und man sollte sowieso jeden Skischuh vom Profi anpassen lassen.

  • Lesetipp: Welche Größe brauche ich bei Skischuhen?

Für einen Tourenskischuh ist der Innenschuh verhältnismäßig üppig und komfortabel, allerdings nicht so sehr wie bei reinen Alpinskischuhen. Für mich ist es sehr positiv, dass der Innenschuh geschnürt werden kann, weil mir das sehr wichtig auf Skitour ist. Auffällig ist, dass die Innensohle nur sehr rudimentär vorhanden ist, Tecnica geht vermutlich davon aus, dass jeder Skifahrer eigene Einlegesohlen bevorzugt. So ist es zumindest bei mir.

An- und Ausziehen ist dann auch so wie man es vielleicht von schweren Pistenskischuhen kennt: Das kann schon etwas anstrengend werden! Aber das nur am Rande, weil es mir ehrlich gesagt egal ist und für mich nur der Komfort bei angezogenen Schuhen zählt.

Praxistest im Aufstieg

Ich habe den Zero G mit zwei verschiedenen Paar (Freeride-)Ski getestet: einem Line Sakana mit Salomon Shift-Bindung und nach den ersten hervorragenden Abfahrten auch mit dem schwereren Line Magnum Opus und der Marker Duke-Bindung. Damit war ich auf der Piste und im Gelände bei guten und (sehr) schlechten Schneeverhältnissen unterwegs, um mir ein vernünftiges Urteil über die Skischuhe fällen zu können und ich bin restlos begeistert!

Im Aufstieg gibt es sicherlich beweglichere, leichtere Tourenskischuhe aber ich musste trotzdem überhaupt keine nennenswerten Kompromisse eingehen. Der Zero G ist angenehm beweglich und ermöglicht eine natürliche Gehbewegung. Außerdem ist er leicht und bequem genug für lange und anspruchsvolle Skitouren. Man braucht damit auch keine Kletterei fürchten, so gut lässt sich damit gehen.

Der Tourenskischuh Zero G Tour Pro von Tecnica im Test (1)

Stefan Rehm

Der Tourenskischuh Zero G Tour Pro von Tecnica im Test (2)

Stefan Rehm

Freeride-Performance bei der Abfahrt

Doch das Coolste an den Tourenstiefeln ist definitiv die Abfahrtsleistung. Das fühlt sich nicht nach Tourenskischuhen an, sondern nach richtigen Freeridern – und das bei dem Gewicht! Meistens stört mich bei leichten Tourenskischuhen der Flex: Entweder hat man da eine superweiche Nudel oder lehnt sich gegen eine (Carbon-)Betonwand. Beides ist sehr ungünstig, wenn man schnell im Gelände abfährt und sich nicht auf perfekt präparierte Pisten oder gleichmäßigen Schnee verlassen kann.

Beim Zero G ist der Flex schön progressiv und harmonisch, d.h. es wird fester, wenn man mit mehr Druck fährt. Tecnica nennt das einen echten 130er Flex. Das vielleicht nicht ganz, aber diese Tourenskischuhe kommen für mein Gefühl sehr nahe dran.

Bemerkbar ist das dann vor allem bei wechselhaftem Schnee, zerspurtem, windverpresstem oder harschigem Gelände, wenn man oft schnell reagieren muss. Vielleicht ist das bei schwereren (ich wiege knapp 80 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,80 Meter) oder sehr aggressiven Fahrern noch etwas anders, aber ich hatte zu keiner Gelegenheit das Gefühl „mehr Skischuh“ zu benötigen. Selbst mit einem sehr langen, schweren Ski. Eine echte Wucht!

Für wen ist der Zero G Pro Tour?

Ganz klar für Skitourengeher, die keine, und zwar wirklich gar keine Kompromisse bei der Abfahrt eingehen wollen.

Fürs reine Freeriden, für die Piste oder für schnelle, rein aufstiegsorientierte Skitouren gibt es auf jeden Fall besser spezialisierte Skischuhe. Aber wenn Du gerne lange Touren gehst und dann die Abfahrt voll auskosten willst, ist der Zero G der beste Skischuh für Dich!

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